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Europa verfügt zwar über gut entwickelte Technologie- und Innovationskapazitäten, jedoch mangelte es bereits oft an der Fähigkeit, Lösungen auf andere Länder zu übertragen. Indien mit seiner schnell wachsenden Wirtschaft und seinem vielfältigen Marktpotenzial ist ein ideales Ziel für europäische Start-up-Unternehmen, die Expansionswünsche hegen.
Dennoch ist Indien auf dem Radar vieler europäischer Unternehmen nicht zu finden, weil Hindernisse wie unterschiedliche rechtliche Vorschriften, mangelnde Vertrautheit mit dem Markt und wahrgenommene kulturelle Unterschiede befürchtet werden. Das Projekt EU-India InnoCenter wurde eingerichtet, um kleinen und mittleren europäischen Unternehmen, die sich auf dem komplexen indischen Markt zurechtfinden müssen, maßgeschneiderte Unterstützung und Beratung zu bieten und ihnen dabei zu helfen, die potenziellen Vorteile auszunutzen.
Jurga Mečinskienė, Projektkoordinatorin und assoziierte Partnerin bei Civitta, erklärt: „Das Team von EU-India InnoCenter hat einen der am schnellsten wachsenden Märkte der Welt erschlossen und gleichzeitig Technologien eingeführt, die zur Weiterentwicklung Indiens beitragen können. Die Projektarbeit hat entscheidend dazu beigetragen, das Bewusstsein für den indischen Markt zu schärfen.“
Keine Einbahnstraße
Das Projektteam schuf ein dynamisches Geschäftszentrum, in dem europäische Start-up-Unternehmen aus Wissenschaft, Technologie und Innovation Kontakte zum indischen Markt knüpfen konnten. Unterstützt von einem Konsortium aus Sachverständigenorganisationen – vier aus Europa und zwei aus Indien – bot es Unternehmens- und Investitionsberatung sowie Wissensaustausch und den Aufbau von Partnerschaften.
Das Projektteam wandte sich auf vier verschiedene Arten an jedes neue Unternehmen, um diese mit wirkungsvollen Instrumenten und Kenntnissen auszustatten, damit sie ihre Tätigkeit in Indien erfolgreich aufnehmen und ausbauen können. Zu den Themen zählten Markterkundung, Expansionsplanung, Produktvalidierung und Markteintrittsstrategien.
Eine weitere Schlüsselkomponente des Erfolgs des EU-India InnoCenter bestand darin, dass die Entwicklung der Zusammenarbeit zwischen den europäischen und indischen Interessengruppen als zweiseitige Angelegenheit in den Mittelpunkt gerückt wurde. Laut Mečinskienė war die Erkundungs- und Validierungsphase einer der wichtigsten Aspekte der Projektarbeit, während der die Unternehmen zum ersten Mal mit Indien in Berührung kamen und dabei Erfahrungen vor Ort sammelten.
„Auf diese Weise konnten wir die Herausforderungen und Chancen, denen sich die Unternehmen auf dem indischen Markt gegenübersehen würden, besser erkennen und gleichzeitig einen erheblichen Mehrwert durch Vorbereitung und Verbindungen zur Erleichterung von Geschäften bieten“, fügt sie hinzu.
Das Projekt förderte Fortschritte in Schlüsselbereichen wie Gesundheitsversorgung, Energiewende, Logistik und Nachhaltigkeit. Als ein bemerkenswertes Beispiel gilt Foliomax aus Slowenien, ein natürliches Pflanzendüngemittel. Da Indien mit einer steigenden Nachfrage nach qualitativ hochwertigen Lebensmitteln und einer ständig wachsenden Bevölkerungsdichte zu kämpfen hat, entspricht die Fähigkeit des Produkts, die pflanzliche Erzeugung zu steigern, den Ressourcenverbrauch zu verringern und die Nährstoffdichte zu verbessern, den zentralen Anforderungen einer nachhaltigen Landwirtschaft.
Meilensteine und Errungenschaften
Im Lauf von drei Jahren haben mehr als einhundert Unternehmen von der Unterstützung im Rahmen von EU-India InnoCenter profitiert, wobei 63 Unternehmen eine begleitete Marktvalidierung durchliefen und dreizehn erfolgreich in den indischen Markt eintraten und eine lokale Präsenz aufbauten. Diese Unternehmen haben ihre erste Kundschaft gewonnen, Vertriebspartnerschaften gegründet und Pilotversuche durchgeführt.
Ein weiteres wichtiges Ergebnis war die zunehmende Bekanntheit Indiens als Markt für europäische Innovationen. Durch das Aufzeigen des Potenzials für Zusammenarbeit und Erfolg konnte das InnoCenter zu einer positiveren Wahrnehmung Indiens als Wirtschaftsstandort beitragen, wobei durch seine Kommunikationsbemühungen über zwei Millionen Nutzende in Europa und ein potenzielles Publikum von 450 Millionen Menschen in Indien erreicht werden.
Das Projektteam hat zudem ein sich selbst tragendes Geschäftsmodell geschaffen, das über das Ende des Finanzierungszeitraums hinaus Bestand haben wird. Dazu gehört Start2 Group, ein Unternehmen, das europäische Unternehmen bei der Expansion auf Auslandsmärkte unterstützt.
„Das Zentrum wird seine Arbeit fortsetzen und Start-up-Unternehmen und KMU auf der Grundlage eingehender Anfragen unterstützen“, berichtet Mečinskienė. „Darüber hinaus sind wir gern bereit, gemeinsam mit Unternehmens- oder Regierungspartnern beliebige weitere gezielte Initiativen zu prüfen, für welche die Erfahrungen des Zentrums nutzbar sein könnten.“
Langfristige Partnerschaften
Mit mehr als 1 360 Verbindungen, die zwischen europäischen und indischen Einrichtungen hergestellt wurden, hat EU-India InnoCenter den Grundstein für eine kontinuierliche Zusammenarbeit zwischen Europa und Indien gelegt. Hier bietet sich eine erfolgreiche Vorlage für zukünftige Initiativen. In der Zwischenzeit wird das Projektteam selbst die technologischen und kulturellen Beziehungen weiter ausbauen und auf diese Weise beiden Regionen Vorteile bringen.
Angesichts der zunehmenden Vernetzung der Welt sind Zentren wie das EU-India InnoCenter von entscheidender Bedeutung für die Förderung des Wirtschaftswachstums und des kulturellen Austauschs sowie die Bewältigung globaler Herausforderungen. Das nachhaltigste Vermächtnis der Projektarbeit könnte das bewährte Modell sein, das nun anderen Ländern angeboten wird, die sich ähnliche Erfolge bei der Erschaffung von über Kontinente hinweg agierenden Innovationsnetzwerken erhoffen.