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Research and Innovation

Vom Abfall zum Kleiderschrank: Die Zukunft der Mode

©Oliur_studio #1569636905 | source: stock.adobe.com
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Was, wenn eine alte Jeans noch als Laufstegmode geeig-net wäre? Das könnte dank dem EU-finanzierten Projekt New Cotton bald Realität sein. Unter der Leitung des finnischen Start-up-Unternehmens Infinited Fiber Com-pany wurde im Projekt New Cotton nachgewiesen, dass eines der größten Probleme der Modeindustrie mit Zu-sammenarbeit, Innovation und Entschlossenheit in eine Kreislauflösung verwandelt werden kann.

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Jedes Jahr landen Millionen Tonnen Textilien auf Deponien, sodass sich Müllberge bilden, deren Abbau Jahrhunderte dauert. Diese Umweltkrise wird durch Fast Fashion noch verschärft, bei der billige Wegwerfkleidung in nicht nachhaltiger Geschwindigkeit produziert wird.

Diese Probleme sollten im Projekt New Cotton angegangen und gezeigt werden, dass Textilabfälle nicht Müll, sondern eine wertvolle Ressource sind. Über das Projekt sollte die gesamte Lieferkette zusammenkommen, um zu demonstrieren, wie Mode nach dem Preislaufprinzip für die einzelnen Parteien in der Praxis funktionieren könnte. Mit der Regenerationstechnologie von Infinited Fiber hat das Projektteam Altkleider in Infinna™ verwandelt, eine hochwertige Zellulose-Carbamatfaser, die sich anfühlt wie neue Baumwolle und auch so aussieht.

Die Lieferkette umgestaltet

„Das Problem der Kreislauffähigkeit kann von keinem Unternehmen allein gelöst werden“, sagt Tanja Karila, Marketingleiterin bei Infinited Fiber Company. „Die gesamte Lieferkette muss mit eingebunden werden.“

Einer der größten Erfolge im Projekt war die integrierte Zusammenarbeit zwischen mehrere Interessengruppen. Von Marken wie H&M und Adidas bis zu Lieferanten kamen im Projekt New Cotton ganz verschiedene Parteien zusammen. Gemeinsam haben sie Prototypen erstellt, Produktionsverfahren optimiert und fristgerecht reale Produkte auf den Markt gebracht.

Die Projektversprechen konnten gehalten werden. H&M hat ein asymmetrisches Oberteil und eine Jacken-Hosen-Kombination herausgebracht, die ausschließlich aus Infinna™ bestehen. Adidas hat in Kollaboration mit Stella McCartney in der Kollektion „Made-to-be-Remade“ einen Trainingsanzug aus Zellulose-Carbamate herausgebracht, in dessen Design stolz die chemische Struktur des Moleküls eingearbeitet wurde.

Als im Laufe des Projekts klar wurde, dass ein gewebtes Kleidungsstück erstellt werden muss, hat H&M sich schnell angepasst. Trotz der Größe hat die Marke in Rekordzeit ein neues Produkt hervorgebracht – und gezeigt, dass selbst große Unternehmen schnell innovativ sein können.

Erprobung neuer Methoden

Bei New Cotton wurde noch eine weitere wichtige Hürde bewältigt: Die Bewertung der Auswirkungen auf die Umwelt der Kreislaufprozesse. Bisher beruhen Ökobilanzen auf linearer Produktion, sodass die Vorteile recycelter Materialien nicht abgebildet werden. „Es war schwierig, die Vorteile der Kreislaufwirtschaft mit den aktuellen Methoden aufzuzeigen“, erklärt Karila. Daher hat das Team nach geeigneteren Ansätzen für die Ökobilanz von Kreislaufsystemen gesucht, die für andere nachhaltige Industrien entworfen wurden, und diese angewendet.

Auch das Maß an Engagement aller Projektbeteiligten war beeindruckend. „Wir wussten zu Beginn nicht, wie viel Einsatz das Konsortium bringen würde“, berichtet Karila. „Aber die Motivation war außergewöhnlich. Jeder Partner hat sich voll eingebracht.“

Eine Zukunft nach dem Kreislaufprinzip

Das Vermächtnis von New Cotton geht über die direkten Ergebnisse hinaus. Es stellt einen Präzedenzfall für Mode nach dem Kreislaufprinzip dar und zeigt nicht nur, dass Abfall tragbar ist, sondern dass dies auch wirtschaftlich tragbar ist. „Das kann nicht nur ein gemeinnütziges Projekt zur Materialsammlung sein“, ergänzt Karila.

Indem Modemarken, Textilhersteller und Forschende zusammenkamen, wurden im Projekt Mode nach dem Kreislaufprinzip vorangebracht und gleichzeitig reale Erkenntnisse zu nachhaltiger Innovation in der Industrie generiert.

Die Projektergebnisse sind in Debatten zu Verordnungen auf EU-Ebene eingeflossen, auch zu Anreizen für den Anteil recycelter Bestandteile und erweiterte Herstellerverantwortung. Die Wirkung umfasst auch neue Vorhaben, zum Beispiel das EU-finanzierte Projekt T-REX von Adidas, das auf New Cotton aufbaut.

Die Modeindustrie befindet sich an einem Scheideweg. In der unnachgiebigen Welt der Fast Fashion wurden lange Geschwindigkeit und Kosten über Nachhaltigkeit gestellt. Der Erfolg von New Cotton zeigt eine andere Zukunft auf, in der Abfall zu Rohstoffen für etwas Neues wird.

„Klein ist mächtig“, schließt Karila. „Wenn große und kleine Unternehmen zusammenkommen, können sie Außergewöhnliches bewirken.“

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Einzelheiten zum Projekt

Kurztitel des Projekts
New Cotton
Projekt-Nr.
101000559
Projektkoordinator: Finnland
Projektteilnehmer:
Finnland
Deutschland
Portugal
Slowenien
Schweden
Türkei
Aufwand insgesamt
€ 8 813 414
EU-Beitrag
€ 6 745 801
Laufzeit
-

Siehe auch

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