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Research and Innovation

Verstehen, wie Kinder im digitalen Zeitalter lernen zu kommunizieren

©famveldman #446962466 | source: stock.adobe.com
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Neue Technologien machen die digitale Welt sicherer und hilf-reicher für den Wissenserwerb von Kindern. Das EU-finanzierte Projekt e-LADDA untersuchte die Auswirkungen von Technologie auf den Spracherwerb bei Kindern. Die Erkennt-nisse aus der Forschung sollen die Entwicklung innovativer und maßgeschneiderter Bildungstechnologien zur Verbesserung des Sprachenlernens vorantreiben.

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Die rasche Verbreitung digitaler Technologien, wie z. B. Tablets mit Internetanschluss, verändert die Art und Weise, wie Kinder miteinander interagieren und wie sie Informationen über die Welt interpretieren und vermitteln.

„Vom Anschauen von Zeichentrickfilmen bis zum Erlernen des Alphabets – der Alltag von Kindern ist von digitalen Medien geprägt, die ihre Sozialisierung, ihr Spielverhalten und ihr Lernen beeinflussen“, erklärt Mila Vulchanova, Leiterin des Labors für Spracherwerb und Sprachverarbeitung an der Norwegischen Universität für Wissenschaft und Technologie.

Digitale Instrumente bieten zwar erhebliche Vorteile wie individuell angepasstes Lernen, können jedoch auch negative Auswirkungen auf die Aufmerksamkeit, das Gedächtnis und die kognitiven Fähigkeiten haben und sogar den Erwerb der Muttersprache beeinträchtigen.

Im Rahmen des Projekts e-LADDA, das durch das Programm Marie-Skłodowska-Curie-Maßnahmen gefördert wurde, untersuchten Vulchanova und ihr Team die Auswirkungen digitaler Technologien auf die frühkindliche Entwicklung und Sprache.

Darüber hinaus führten sie die erste vergleichende Studie zu Bildschirmnutzung und digitalen Gewohnheiten und Umgebungen in Haushalten in Deutschland, Italien, Norwegen, Spanien sowie dem Vereinigten Königreich durch.

„Angesichts der zunehmenden Bedeutung digitaler Technologien als primäre Quelle sprachlicher Impulse war es von vorrangiger Bedeutung, die komplexen Prozesse zu verstehen, die beim Lernen und beim Erwerb von Sprachen in der digitalen Welt ablaufen“, ergänzt Vulchanova.

In einer Reihe von Studien untersuchten die Forschenden, wie sich die grundlegenden Mechanismen des Spracherwerbs mit zunehmendem Alter entwickeln und ob sie sich durch auditive und visuelle Erfahrungen unterschiedlich entwickeln.

„Digitale Technologien sind mittlerweile Teil unseres Alltags, und wir müssen ihr Potenzial nutzen, um alters- und aufgabenangemessene digitale Inhalte für Kinder zu entwickeln“, betont Vulchanova. „Wir empfehlen Eltern, die Inhalte, denen ihr Kind womöglich ausgesetzt ist, sorgfältig zu prüfen und digitale Technologien gemeinsam mit ihrem Kind zu nutzen, anstatt sie als Ersatz für einen Babysitter einzusetzen.“

Bildschirmnutzung und digitale Gewohnheiten in Europa

Das Team führte mehrere systematische Analysen durch, um Forschungslücken zu identifizieren. Das Team fand heraus, dass nur wenig über die Auswirkungen digitaler Technologien auf die Sprachentwicklung bekannt ist, insbesondere bei Kindern im Vorschulalter (4 bis 6 Jahre).

„Vorschulkinder zeigen ähnliche Reaktionen wie Erwachsene bei der Segmentierung auditiver Reize (Sprache), was darauf hindeutet, dass die Hörfähigkeiten in diesem Alter vollständig entwickelt sind“, erklärt Vulchanova. „Eine offene Frage ist, ob die Integration von Informationen aus auditiven Quellen und reichhaltigen visuellen Eindrücken – wie Bildschirme sie bieten – für die Zwecke des Spracherwerbs in dieser Altersgruppe optimal ist.“

Das Team von e-LADDA hat überdies Daten von Kindern im Rahmen von Laborstudien erhoben. Diese Studien setzten soziale Roboter, Berührungsbildschirme und Blickverfolgungstechnologie ein, um zu beobachten, wohin Kinder beim Erlernen neuer Wörter auf dem Bildschirm schauen.

Ihre Untersuchungen ergaben, dass Erwachsene und Kinder aller Altersgruppen beim Erlernen neuer Wörter empfindlich auf Wissenslücken reagieren, jedoch nur Erwachsene und ältere Kinder aktiv daran arbeiten, Unsicherheiten abzubauen und das erforderliche Wissen zu erwerben.

Das e-LADDA-Team stellte jedoch auch fest, dass gemeinsames interaktives Lesen von Vorteil sein kann und dass der Einsatz digitaler Technologien zum Wortlernen Kindern mit Autismus und Kindern, die eine zweite Sprache erlernen, helfen kann.

Unterstützung für Eltern und politisch Verantwortliche bei der Anpassung an das digitale Zeitalter

In allen Ländern des e-LADDA-Netzwerks vermittelte das Team seinen fachlichen Rat an lokale Lehrkräfte und politisch Verantwortliche und organisierte eine Reihe von öffentlichen Veranstaltungen in den Niederlanden, Norwegen und Portugal. „Es bleibt abzuwarten, wie sich die Bildungssysteme an die rasante Entwicklung der digitalen Technologie anpassen können“, bemerkt Vulchanova.

Über die Ergebnisse hinaus hebt das e-LADDA-Team die echte Interdisziplinarität des Projekts hervor, das Fachleute aus ganz unterschiedlichen und teils weit auseinanderliegenden Bereichen zusammengeführt hat – von der Entwicklungspsychologie und Neurodiversitätsforschung bis hin zu Sprachwissenschaft und Technologieentwicklung.

Eine zweite, wichtige Errungenschaft war, das Thema fest auf der Forschungsagenda zu verankern, indem ich als Gastreferentin einer kommenden Sonderausgabe der Zeitschrift Developmental Psychology mit dem Titel ‚Living in a Digital Ecology‘ fungierte. „Wir haben über 80 Abstract-Einreichungen erhalten – ein klarer Beleg für die Relevanz des Themas“, bemerkt Vulchanova.

Das Team arbeitet noch an der Veröffentlichung seiner Ergebnisse und wirkt weiterhin an den öffentlichen Diskussionen mit. „Für meine Forschungsgruppe besteht ein besonderes Interesse an der Entwicklung von Apps für erweiterte Realität zum Wortlernen bei Kindern mit Autismus und deren Anwendung in therapeutischen Maßnahmen“, sagt Vulchanova.

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Einzelheiten zum Projekt

Kurztitel des Projekts
e-LADDA
Projekt-Nr.
857897
Projektkoordinator: Norwegen
Projektteilnehmer:
Deutschland
Lettland
Niederlande
Norwegen
Portugal
Spanien
Schweden
Vereinigtes Königreich
Aufwand insgesamt
€ 3 820 153
EU-Beitrag
€ 3 820 153
Laufzeit
-

Siehe auch

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