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Research and Innovation

Verloren gegangene Farben wieder zu einem Teil des europäischen Kulturerbes machen

©grumbus #305675782 | source: stock.adobe.com
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Vielen der europäischen Kulturschätzen geht im Laufe der Zeit ein wesentliches Merkmal verloren: die Farbe. Mithilfe von Computergrafiken, KI-Werkzeugen und interaktiven Museumserlebnissen konnte das EU-finanzierte Projekt PERCEIVE diese vergangenen Farben untersuchen und präsentieren. Dadurch wird deutlich, wie die Objekte einst aussahen, und möglich, das kulturelle Erbe Europas besser zu verstehen, zu pflegen und aus einer neuen Perspektive zu betrachten.

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Antike Skulpturen, die einst in leuchtenden Farben bemalt waren, sind heutzutage nur noch in einem schattenhaften Weiß zu sehen. Malereien und Textilien verblassen mit der Zeit, und die Pigmente in frühen Farbfotografien werden nach und nach zersetzt.

„Farbe hat nicht nur eine ästhetische Ebene“, sagt PERCEIVE-Projektkoordinatorin Sofia Pescarin vom wissenschaftlichen Institut für kulturelles Erbe des nationalen Forschungsrats Italiens (CNR ISPC). „Sie hat eine historische, symbolische und emotionale Bedeutungsebene. Wenn Farben verbleichen oder sich verändern, ändert sich damit auch unser Verständnis der Vergangenheit. Dies kann zu verzerrten Interpretationen führen, ob bei der seit langem bestehenden Vorstellung von der ‚weißen Antike‘ oder der diffizilen Erklärung, wie fragile Werke ausgestellt werden sollten, ohne ihren Verfall zu beschleunigen.“

Museen und Fachleute aus dem Bereich des Kulturerbes stehen vor einer doppelten Herausforderung. Sie benötigen verlässliche wissenschaftliche Methoden zur Analyse und Vorhersage von Farbveränderungen, sie benötigen aber ebenso ansprechende Methoden, um dieses Wissen mit den Besucherinnen und Besuchern zu teilen. Eine Rekonstruktion, die überzeugend aussieht, reicht nicht aus; sie muss transparent sein in Bezug auf die wissenschaftlichen Beweise, Unsicherheiten und Auslegungen.

Neue Werkzeuge und Methoden zur Wiederherstellung von Farben

PERCEIVE wurde ins Leben gerufen, um diesen Herausforderungen zu begegnen. Das vom CNR ISPC koordinierte Projekt führte Forschungszentren, Universitäten, Museen und Partnerorganisationen aus der Kreativindustrie zusammen, um neue Werkzeuge und Methoden zur Wiederherstellung vergangener Farben anzuwenden. Darunter eine auf künstlicher Intelligenz (KI) basierende Verarbeitung, bildbasiertes Rendering und dreidimensionale (3D) Visualisierung.

„Die Arbeit war auf fünf Arten von Problemen oder Szenarien im Zusammenhang mit dem Kulturerbe konzentriert“, erklärt Pescarin. „Diese lauteten: verlorene Farben in antiker Bildhauerei und Architektur, Farbveränderungen in der Malerei, verblassende historische Textilien, historische Fotografien und Filme sowie digital erzeugte Kunst (Materialien, die in digitaler Form entstanden sind). Auf diese Weise konnte das Team seine Methoden an sehr unterschiedlichen Materialien, Einrichtungen und Erhaltungsproblemen erproben.“

Aus der Arbeit gingen eine Reihe von Werkzeugen und Diensten hervor, die sich sowohl an Fachleute als auch an einen weiter gefassten Interessentenkreis richteten. Dazu gehören das Farbwissensarchiv, eine  (FAIR)-konforme digitale Ressource für den Austausch von farbbezogenen Daten, Modellen und Metadaten, und die PERCEIVE-Plattform, die digitale Werkzeuge und Dienste wie MuLaX für die Web-Visualisierung in 3D mit mehreren Ebenen und eine Lichtschadensberechnung für die präventive Erhaltung verbindet. Auch andere Werkzeuge, etwa für die Wiederherstellung früher (autochromer) Farbfotografien sowie für die Farbsimulation und -rekonstruktion, wurden zugänglich gemacht.

Multisensorisches Erlebnis

Im Rahmen von PERCEIVE wurde eine Design-Toolbox entwickelt, die Museen, Designstudios und pädagogischen Fachkräften dabei hilft, bedeutsame digitale und hybride Erlebnisse zu schaffen. „Anstatt die Besucherinnen und Besucher als passive Betrachtende zu behandeln, ergründete das Projekt, wie das digitale Erbe die kulturelle Pflege, Echtheit und Beteiligung fördern kann,“ so Pescarin.

Diese Ideen wurden in öffentlichen Ausstellungen demonstriert, in denen die Werkzeuge eingesetzt und die restaurierten digitalen Kulturgüter wiederverwendet wurden. Dazu gehörte eine vom CNR und dem archäologischen Nationalmuseum von Neapel entworfene Installation, welche die Besucherinnen und Besucher auf zwei sensorische Erlebnisreisen mitnahm. Das erste Erlebnis ergründete die Farben des Isis-Tempels in Pompeji mittels 3D-Visualisierung („Die Gaben von Isis“), während das zweite Erlebnis die Komplexität von Farbstudien und -rekonstruktionen aufzeigte („Verlustechos“).

Eine temporäre kinderfreundliche Ausstellung im Munch-Museum in Oslo sollte in ähnlicher Weise Familien durch spielbasierte Interaktionen einbeziehen, um die Herausforderungen der kulturellen Erhaltung zu vermitteln. Die Ausstellung mit dem Titel „fragile Farben“ an der NTNU-Universität in Trondheim beleuchtete die Herausforderungen der Farbwiederherstellung und -konservierung von autochromen Fotografien, während gleichzeitig das Potenzial digitaler Farbwiederherstellungswerkzeuge demonstriert wurde.

Von der Theorie zur Demonstration in der realen Praxis

Für Pescarin und ihr Team besteht ein wesentlicher Erfolg des Projekts darin, dass über die Theorie hinausgehend der Schritt zu einer Demonstration in der realen Praxis gelungen ist. Bei den Digital Heritage Awards 2025 in Siena erhielt die Innovation über die farbliche Wahrnehmung des Isis-Tempels den Preis für die beste Ausstellung zum digitalen Kulturerbe.

„Der nächste Schritt besteht darin, diese Methoden in den Museumsalltag und die berufliche Praxis einzubinden“, merkt Pescarin an. „Wir sind fest davon überzeugt, dass die Ergebnisse von PERCEIVE unter anderem im Bereich von Restauration, Ausstellungsgestaltung, Pädagogik und digitaler Archivierung hilfreich sein können. Die Arbeit wird zudem durch verwandte europäische Forschungsmaßnahmen fortgesetzt, darunter Projekt COLOURS, das auf den Ergebnissen von PERCEIVE aufbaut.“

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Einzelheiten zum Projekt

Kurztitel des Projekts
PERCEIVE
Projekt-Nr.
101061157
Projektkoordinator: Italien
Projektteilnehmer:
Frankreich
Deutschland
Griechenland
Italien
Norwegen
Schweiz
Vereinigtes Königreich
Vereinigte Staaten
Aufwand insgesamt
€ 3 785 358
EU-Beitrag
€ 3 785 358
Laufzeit
-

Siehe auch

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