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Für viele Migrantenkinder bedeutet der Schulanfang in einem neuen Land mehr als nur das Erlernen einer neuen Sprache. Sie müssen sich in einem fremden Bildungssystem zurechtfinden, soziale Barrieren überwinden und ein Zugehörigkeitsgefühl aufbauen.
Im KIDS4ALLL-Projekt wurde Inklusion mit Gruppenlernen, digitalen Mitteln und praktischen Strategien statt traditionellen Unterrichtsmethoden gefördert. Ein Konsortium mit Partnern aus acht EU- und Nicht-EU-Ländern wurde der Ansatz mit verschiedenen Migrantengruppen getestet, darunter Roma in Ungarn, Flüchtlingen in Lagern in Griechenland und Kindern in zweiter Generation in Italien.
Die Initiative steht im Einklang mit dem Rahmen der Europäischen Kommission für lebenslanges Lernen, wobei der Schwerpunkt auf Schlüsselkompetenzen wie Lese- und Schreibfähigkeit, Mehrsprachigkeit und digitalen Kompetenzen liegt. Indem die Bildung auf diese Kompetenzen ausgerichtet wird, werden die Schüler nicht nur auf akademischen Erfolg vorbereitet, sondern auch auf die aktive Teilnahme an der Gesellschaft.
Selbstvertrauen durch Beziehungen
Das Team hat ein Buddy-System umgesetzt, bei dem Migrantenkindern Kinder ohne Migrationshintergrund zur Seite gestellt wurden. Ziel war es, ein gegenseitiges Lernumfeld zu schaffen, von dem beide profitieren. Mit dem Ansatz wird sichergestellt, dass es beim Lernen nicht nur um die Aufnahme von Informationen geht, sondern um einen sinnvollen Austausch.
„Das Peer-to-Peer-Modell erwies sich als sehr effektiv, um das Vertrauen und die Motivation der Schülerinnen und Schüler zu stärken“, sagt Projektkoordinatorin Roberta Ricucci von der Universität Turin in Italien.
Eines der herausragenden Merkmale von KIDS4ALLL war die interaktive Lernplattform, die sowohl Schülerinnen und Schülern und auch Lehrkräften in allen Bildungsumgebungen als Unterstützung dient: formal, nicht-formal und informell. Die ersten Rückmeldungen zeigten jedoch eine überraschende Herausforderung: Vielen Lehrkräften vor Ort fehlte die Vertrautheit mit solchen digitalen Mitteln.
„Wir hatten erwartet, dass digitales Lernen intuitiv sein würde, aber viele Lehrkräfte benötigten zusätzliche Schulungen“, fügt Ricucci hinzu. Daher hat das Projektteam spezielle Schulungsmodule vorgestellt, damit das Lehrpersonal die Technologie wirksam in den Schulunterricht, in Freizeitaktivitäten und als Hausaufgabenunterstützung einsetzen kann.
Die Plattform geht über statische Unterrichtspläne hinaus und ermöglicht es den Schülerinnen und Schülern, Lernmaterialien mitzugestalten. Dadurch wurden die Schülerinnen und Schüler von passiven Empfängern von Informationen zu aktiven Mitwirkenden. Dieser partizipatorische Ansatz erwies sich als besonders nützlich für mehrsprachige Klassen, in denen die Schülerinnen und Schüler die Inhalte auf ihren eigenen sprachlichen und kulturellen Hintergrund abstimmen konnten. Im Rahmen des Projekts wurde auch eine Sammlung bewährter Verfahren aus der Pilotphase zusammengestellt, die eine wertvolle Ressource für künftige Bildungsinitiativen darstellt.
Das Unerwartete navigieren
Das KIDS4ALLL-Projekt startete auf dem Höhepunkt der COVID-19-Pandemie und war daher mit erheblichen logistischen Hürden konfrontiert, insbesondere im formalen Bildungsbereich. Viele Schulen waren bereits mit dem Übergang zum Fernunterricht überfordert, was die Durchführung zusätzlicher Projekte erschwerte. Trotz dieser Rückschläge wurde im Rahmen der Initiative erfolgreich eine 9-monatige Pilotphase abgeschlossen.
Ein großer Erfolg war die Integration von Peer-Learning-Strategien in verschiedene Bildungsumgebungen, wobei gleichzeitig sichergestellt wurde, dass die mehrsprachige, fächerübergreifende Lernplattform des Projekts zugänglich bleibt. „Die Flexibilität der Projektpartner und die Möglichkeiten, auf neue Bedürfnisse zu reagieren, waren entscheidend für den Erfolg von KIDS4ALLL“, bemerkt Ricucci. Durch die Anpassung an sich verändernde Umstände konnte das Projekt auch unter schwierigen Bedingungen aufrechterhalten werden.
Ein Blick in die Zukunft
Nach Abschluss des Pilotprojekts konzentriert sich das KIDS4ALLL-Team auf die langfristige Wirkung. Um den Einsatz der Instrumente in Bildungseinrichtungen zu fördern, stellte das Team die Arbeit auf Konferenzen für Lehrkräfte und Schulleitungen vor. Da die Lernressourcen und Methoden des Projekts frei verfügbar sind, wurden diese Instrumente weit verbreitet. Im letzten Jahr haben auch Schulen und Verbände außerhalb des Konsortiums begonnen, sie zu nutzen.
Das Potenzial des Modells geht über Kinder im Schulalter hinaus. Das Team von KIDS4ALLL hat Lücken in der Erwachsenenbildung aufgezeigt, insbesondere für Lernende mit Migrationshintergrund, deren Vorkenntnisse und Fähigkeiten oft nicht anerkannt wurden. „Eine der wichtigsten Erkenntnisse war, dass bessere Rahmenbedingungen für die Anerkennung von Kompetenzen erforderlich sind, insbesondere für erwachsene Lernende mit Migrationshintergrund“, so Ricucci.
Die Lösung dieses Problems könnte dazu beitragen, die Beschäftigungsaussichten und die soziale Integration erwachsener Migrierter zu verbessern – ein entscheidender Schritt zu mehr Bildungsgerechtigkeit.
Im Zuge der Diskussion über inklusive Bildung stellt KIDS4ALLL ein praktisches, evidenzbasiertes Modell dar, das als Grundlage für künftige Maßnahmen dienen könnte. Dank einer Mischung aus digitalen Werkzeugen, kollaborativem Lernen und maßgeschneiderter Unterstützung durch die Lehrkräfte könnte das Projektteam dazu beitragen, ein Bildungssystem zu schaffen, das für alle Schülerinnen und Schüler funktioniert, unabhängig von ihrer Kultur und ihrem Hintergrund.
