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Research and Innovation

Es steht in unserer Macht: Andere Geschichten über Migration erzählen

©styf #11556294 | source: stock.adobe.com
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Es geht um ein universelles Phänomen, das so alt wie die Menschheit selbst ist. Migration wird oft in vereinfachten, krisenhaft geprägten Begriffen dargestellt. Das Team des EU-finanzierten Projekts BRIDGES stellte diese reduzierenden Ansichten in Frage und zeichnete ein differenzierteres Bild der Rolle der Migration in der Gesellschaft.

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Im Zuge von BRIDGES werden die Kräfte erkundet, die die Narrative rund um Migration und ihre weitreichenden Folgen vorantreiben, da die Wanderungsbewegungen von Menschen weiterhin die soziale und politische Landschaft Europas prägen. Es sollte erkundet werden, wie sich diese Geschichten etablieren, im politischen Diskurs durchsetzen und die öffentliche Meinung prägen – von den Ergebnissen ist eine alternative Sichtweise zu erhoffen.

„Die gegenwärtigen Narrative über Migration rücken überwiegend Krisen und Notsituationen in den Mittelpunkt, was dazu führt, dass Migration als Problem wahrgenommen wird“, betont Blanca Garcés, leitende Forscherin am Barcelona Centre for International Affairs (CIDOB).

„Dadurch wird die Tatsache überschattet, dass es bei Migration gleichermaßen um Chancen, Verbindungen und Beiträge geht.“

Geschichten neu definieren

Um krisenorientierte Narrative zu hinterfragen, arbeitete das Team von BRIDGES am Verständnis dessen, wie diese Geschichten konstruiert werden und wie sie die öffentliche Wahrnehmung prägen. Im Rahmen des Projekts wurde außerdem geprüft, wie Narrative in den Medien, in der Politikgestaltung und in der öffentlichen Meinung verbreitet werden, wobei die wichtigsten Einflussfaktoren und deren Auswirkungen ermittelt wurden. Von diesen Erkenntnissen erhoffte sich das Projektteam, die Verantwortlichen der Politik und die Gesellschaft mit den Instrumenten ausstatten zu können, die erforderlich sind, um schädlichen Narrativen entgegenzuwirken und destabilisierende Folgen zu verhindern.

Eine zentrale Erkenntnis betraf die Rolle der Medien bei der Verstärkung polarisierender Narrative. „Oft wird Migration durch die Brille des ‚wir gegen sie‘ betrachtet, wobei Grenzen, Bedrohungen oder wirtschaftliche Belastungen in den Vordergrund gerückt werden“, erläutert Garcés. „Dadurch werden Stereotypen verstärkt und ein unvollständiges Bild einer tatsächlich vielschichtigen Realität gezeichnet.“

Es gibt jedoch Möglichkeiten für Veränderungen: „Wir haben festgestellt, dass sich die Einstellung der Öffentlichkeit ändert, wenn Migration anhand von Geschichten dargestellt wird, in denen Menschen im Mittelpunkt stehen – etwa Familien auf der Suche nach Sicherheit, Einzelpersonen, die einen Beitrag zur Gemeinschaft leisten“, ergänzt Garcés. Diese persönlichen Geschichten können ihren Angaben zufolge Empathie erzeugen und Gräben überbrücken.

Politik und Geschichtenerzählen

Im Rahmen des Projekts wurde zudem entdeckt, dass politische Entscheidungen die Einstellung der Öffentlichkeit in Sachen Migration erheblich beeinflussen, wobei restriktive Maßnahmen häufig negative Narrative verstärken. Umgekehrt kann eine Politik, die auf Inklusion und Chancen setzt, dazu beitragen, den Ton der Diskussion zu verändern.

Um diese Fakten weiter zu erkunden, arbeitete das Team von BRIDGES mit Fachleuten aus den Bereichen Journalismus, Kunst und Pädagogik zusammen, um migrantische Erfahrungen zu vermenschlichen. Von der Gemeinschaft getragene Initiativen wie ein Hip-Hop-Wettbewerb, ein Wandbildprojekt und eine Fotoausstellung ließen die Geschichten von Migrantinnen und Migranten auf eindrucksvolle und nachvollziehbare Weise lebendig werden und fanden bei der Öffentlichkeit großen Anklang.

Ein Projekt, das Wellen schlug

Garcés zufolge erlangte BRIDGES einen viel höheren Bekanntheitsgrad, als sie erwartet hatten. „Wir haben viel Aufmerksamkeit für dieses Projekt bekommen“, merkt sie an. Sie führte es auf das gegenwärtige politische Klima zurück, in dem Rechtsextreme in mehreren europäischen Ländern großen Zulauf bei Wahlen erhalten.

Angesichts der zunehmenden Besorgnis über die Gestaltung von Migrationsnarrativen sind die Projektergebnisse sehr gefragt. „Es scheint, dass alle damit zu kämpfen haben, wie im neuen Kontext über Einwanderung zu sprechen ist, wie der extremen Rechten entgegengetreten werden kann und wie neue Narrative entwickelt werden können“, erklärt Garcés.

Im Gespräch bleiben

Die Produktivität der Ergebnisse von BRIDGES sprach für sich: Das Projektteam produzierte drei Podcasts, drei Kurzdossiers, sieben Gastbeiträge, neun Infografiken, elf Videos, 32 Arbeitspapiere und ein mehrsprachiges Instrumentarium mit Empfehlungen für soziale Organisationen und Einrichtungen, das Leitlinien für die Diskussion über Migration auf eine Weise enthält, bei der schädliche Stereotypen vermieden werden.

Obwohl das Projekt offiziell beendet ist, wirkt es weiter fort. Garcés wurde zu Diskussionen an zahlreichen Institutionen eingeladen, darunter die Europäische Kommission und die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE). Darüber hinaus arbeitet sie gegenwärtig an einem neuen Forschungsprojekt, das sich weiterführend mit der Politisierung der Migration befasst.

Angesichts der Tatsache, dass Migration nach wie vor ein zentrales Thema in Europa darstellt, hat die Arbeit von BRIDGES nicht nur zum Verständnis von Migrationsnarrativen beigetragen, sondern es werden auch weiterhin wertvolle Einblicke in die Art und Weise gegeben, wie diese den öffentlichen Diskurs und politische Entscheidungen prägen. Die dadurch ausgelöste Diskussion ist noch lange nicht beendet.

„Migration ist keine Krise, die bewältigt werden muss, sondern eine Realität, die es anzunehmen gilt“, schließt Garcés, „eine Geschichte nach der anderen.“

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Einzelheiten zum Projekt

Kurztitel des Projekts
BRIDGES
Projekt-Nr.
101004564
Projektkoordinator: Spanien
Projektteilnehmer:
Belgien
Frankreich
Deutschland
Ungarn
Italien
Norwegen
Spanien
Vereinigtes Königreich
Aufwand insgesamt
€ 2 999 695
EU-Beitrag
€ 2 999 695
Laufzeit
-

Siehe auch

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