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Unter der Leitung von Caner Süsal, dem Projektkoordinator an der Koç-Universität, ruft TIREX das erste spezialisierte Exzellenzzentrum für Transplantationsforschung in der Türkei ins Leben. Seine Mission ist der Aufbau einer modernen Infrastruktur, die Ausbildung von Nachwuchsforschenden und die Vernetzung der klinischen Expertise der Türkei mit der modernsten Immunologieforschung in ganz Europa und dem Nahen und Mittleren Osten.
„In der Türkei führen wir viele Transplantationen durch, aber die wissenschaftlichen Studien, die diese klinische Arbeit begleiten sollten, fehlten bislang“, erklärt Süsal. „Mit TIREX wollen wir eine echte Transplantationsforschungskultur etablieren, die über das Projekt hinaus Bestand hat.“
Neben der Koordinierung von TIREX ist Süsal auch Inhaber eines Lehrstuhls im Rahmen des Europäischen Forschungsraums (EFR). Die EU-finanzierte EFR-Lehrstuhlmaßnahmen helfen Forschenden, mit Institutionen in den sogenannten „Erweiterungsländern“ in Kontakt zu treten – Länder, in denen die Forschungs- und Innovationsleistung von einer Stärkung profitieren könnte.
Nicht nur Labore, sondern auch kluge Köpfe
Von Anfang an hat TIREX stark in Menschen investiert. Das Projekt rekrutierte qualifizierte Forschende und bildete mit seinen fortschrittlichen Master- und Promotionsprogrammen in Immunologie und Transplantation eine neue Generation von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern und medizinischen Fachleuten aus. Früher gingen viele Forschende ins Ausland, um Erfahrung zu sammeln, heute bringen sie dieses Fachwissen mit nach Hause zurück.
Das Projekt transformiert die Labore der Koç-Universität von Grund auf. Hochdurchsatz-Durchflusszytometrie, genetische Typisierung und molekulardiagnostische Geräte ermöglichen heute Analysen, die früher ins Ausland ausgelagert werden mussten. Forschende nutzen KI und fortschrittliche Datenanalysen, um immunologische Muster zu erkennen, die Abstoßungen vorhersagen und die Erfolgsraten verbessern.
„Vor TIREX mussten wir sogar für die routinemäßige Immunüberwachung Proben wegschicken“, sagt Süsal. „Jetzt können wir vor Ort schneller, zu geringeren Kosten und mit voller Kontrolle über unsere Daten unsere eigenen Analysen durchführen.“
Diese Möglichkeiten verändern die klinische Praxis. Das Zentrum unterstützt nun auch Fachleute für Transplantationen in anderen Zentren mit präzisen immunologischen Diagnostikverfahren, um die Bewertung der Eignung der spendenden für die empfangende Person sowie die Patientenergebnisse zu verbessern. Parallel dazu arbeiten Forschende an besseren Methoden zur Organerhaltung und Nachsorge nach der Transplantation, um sicherzustellen, dass Innovationen aus dem Labor den Kranken direkt zugutekommen.
Durch die engere Zusammenarbeit zwischen Klinik und Labor fließen Patientendaten direkt in die laufende Forschung ein, wodurch der Rückkopplungsmechanismus zwischen Wissenschaft und Behandlung gestärkt wird. Darüber hinaus baut TIREX eine nationale Biobank mit Proben und klinischen Daten auf, eine Ressource, die weiter wachsen und zukünftige Studien unterstützen wird, wie beispielsweise zur Entwicklung von gentechnisch veränderten therapeutischen Immunzellen zur Heilung von Krebs- und Diabetespatienten.
Zusammenarbeit auf globaler Ebene
Einer der größten Erfolge des Projekts bisher war die Vernetzung der türkischen Forschenden mit der globalen Transplantationsgemeinschaft und die Bildung von Kooperationen mit führenden Zentren in Deutschland, Frankreich, den Niederlanden, Kanada und den Vereinigten Staaten.
Süsal erklärt, dass diese Partnerschaften beiden Seiten Vorteile bieten. „Unsere internationalen Partner sind sich bewusst, dass die Zusammenarbeit auf Gegenseitigkeit beruht. Wir bringen fundierte klinische und experimentelle Erfahrung sowie sehr unterschiedliche Patientenpopulationen mit und sie tragen komplementäre, fortschrittliche Instrumente und Big Data bei. Wenn wir zusammenarbeiten, geht alles schneller.“
Diese Zusammenarbeit stand beim CTS–TIREX-Expertentreffen 2024 in Istanbul besonders im Rampenlicht, bei dem führende Forschende und medizinische Fachleute zusammenkamen, um über Durchbrüche in der Immungenetik und Organtransplantation zu diskutieren. Süsal zufolge, der zuvor die Collaborative Transplant Study (CTS) in Heidelberg koordinierte, sei die CTS-Partnerschaft von zentraler Bedeutung für die datengetriebene Forschung und Glaubwürdigkeit von TIREX.
Die neue Infrastruktur hat bereits mehrere gemeinsame Forschungsstudien und Veröffentlichungen mit Partnern aus Europa, Kanada und Katar unterstützt und damit den Beitrag der Türkei zur internationalen Transplantationswissenschaft erweitert.
TIREX bringt außerdem lokale, regionale und internationale Partner aus Südosteuropa, dem Nahen Osten und Asien zusammen, um ein führendes Wissenszentrum für Transplantationsimmunologie und Innovation aufzubauen. Gleichzeitig schlägt sein wachsendes Netzwerk eine Brücke zwischen Biotech-Startups und der Industrie, um neue Fortschritte im gesamten türkischen Gesundheitssektor voranzutreiben.
Eine Forschungskultur, die auf Dauer angelegt ist
Das Projekt verändert die Arbeitsweise der Transplantationsforschung in der Türkei. Eine neue Laborinfrastruktur, qualifizierte Forschende sowie nationale und internationale Partnerschaften sind bereits vorhanden und schaffen eine nachhaltige Basis für fortgeschrittene wissenschaftliche Arbeit.
Süsal versteht dies lediglich als den Anfang: „Wir wollen kein Projekt, das nach fünf Jahren ausläuft, sondern wir möchten eine Grundlage schaffen, die weiter wächst, eine Forschungskultur, die sich selbst trägt.“
Mit dem Fortschreiten des Projekts bis hin zum Abschluss im Mai 2026 wird TIREX seine Forschungskapazitäten und internationalen Partnerschaften weiter ausbauen. Durch die Kombination von klinischer Expertise mit datengestützter Wissenschaft positioniert sich die Türkei als feste Größe auf der globalen Transplantationslandkarte.
