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Research and Innovation

Das Geschlechtergefälle in Forschungseinrichtungen überwinden

©H_Ko #525758613 | source: stock.adobe.com
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Die europäischen Forschungseinrichtungen haben seit langem mit geschlechtsspezifischen Ungleichheiten zu kämpfen. Das EU-finanzierte Projekt MINDtheGEPs identifizierte versteckte geschlechtsspezifische Verzerrungen in den Politiken und Verfahrensweisen von Einrichtungen und nutzte organisatorische Daten als Orientierung für praktische Maßnahmen durch Gleichstellungspläne.

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Bisweilen intransparente Einstellungspraktiken, Beförderungssysteme, Ausschussarbeit und Lehrdeputate können darüber bestimmen, wer in Forschungseinrichtungen aufsteigt (und wer nicht).

Lange Zeit hatten viele Forschungseinrichtungen keinen Zugang zu den organisatorischen Daten, die erforderlich sind, um diese Faktoren in ihren Geschlechtergleichstellungsplänen (GEP) zu berücksichtigen. Das Projekt MINDtheGEPs sollte dies durch einen strikt datengesteuerten Ansatz ändern: nämlich durch das Sammeln von wissenschaftlichen Beweisen sowie deren Auswertung und Nutzung für die Entwicklung von GEP, die der tatsächlichen Arbeitsweise von Einrichtungen entsprechen.

Wie die Projektkoordinatorin Cristina Solera, Professorin für Soziologie an der Universität Turin, erklärt, markierte dies einen Wendepunkt. Seit 2023 sind GEP eine Teilnahmevoraussetzung für Einrichtungen, die eine Finanzierung durch Horizont Europa beantragen. „Vor Jahren waren Geschlechtergleichstellungspläne nicht obligatorisch. Jetzt sind sie es. Und ein europäisches Projekt zu haben, zeugt von Legitimität und von einem Auftrag, die Arbeit ernst zu nehmen.“

Die Ungleichheit auf der Grundlage wissenschaftlicher Beweise kartieren

MINDtheGEPs führte ein Konsortium aus Irland, Italien, Polen, Serbien, Spanien und Schweden mit einer wohl durchdachten Mischung aus institutionellen und kulturellen Umgebungen zusammen. „Es bedarf Variabilität, wenn man verstehen möchte, wie die geschlechtsspezifische Ungleichheit auf verschiedenen Ebenen funktioniert – auf Makro-, Meso- und Mikroebene“, so Solera.

Das Projekt begann mit einer einfachen Regel: keine Daten, keine Politiken. Jede Einrichtung erfasste 53 geschlechtsspezifische Indikatoren zu den Themen Einstellung, Beförderung, Lehrdeputat, Zuteilung von Forschungsmitteln und Führungsstrukturen. Außerdem wurde eine Makroanalyse der nationalen rechtlichen Rahmenbedingungen und politischen Maßnahmen in den Bereichen Forschung und Innovation, Arbeitsmarkt und Vereinbarkeit von Beruf und Pflege durchgeführt, wobei politische Maßnahmen im Zusammenhang mit den Geschlechterrollen in Beruf und Familie im Fokus standen.

Doch Zahlen allein reichten nicht aus. Das Team führte außerdem 181 qualitative Interviews mit Forscherinnen und Forschern, Verwaltungspersonal und leitenden Angestellten durch. Bei diesen Gesprächen wurde deutlich, wie die Belegschaft Ungleichheiten erklärt (oder leugnet) und wie diese Narrative Entscheidungen beeinflussen.

Ein Muster trat durchgängig zutage: der Glaube, dass allein die „Leistung“ über die Karriere entscheidet. „Die Leute sagten: Hier gibt es keine Ungleichheit, nur die Leistung zählt“, fügt Solera hinzu. „Dann haben wir ihnen die Daten gezeigt, und plötzlich wurde das Gefälle sichtbar.“ Sie bemerkte zudem, wie oft die Mutterschaft als pauschale Erklärung für den beruflichen Werdegang von Frauen angeführt wurde.

Eine Veränderung der Haltungen und Strukturen herbeiführen

MINDtheGEPs ging dann dazu über, GEP auf der Grundlage von wissenschaftlichen Beweisen zu entwickeln. Der Ansatz folgte dem, was Solera als „Pendel“ zwischen strukturellen Maßnahmen (Regeln, Anreize, Verfahren) und kulturellen Maßnahmen (Ausbildung, Gespräche, Sensibilisierung) bezeichnet. „Der kulturelle Wandel ist entscheidend, geht aber langsam voran“, sagt sie. „Manchmal bedarf es struktureller Veränderungen, um den Raum für kulturelle Veränderungen zu öffnen.“

Ein hervorstechendes Beispiel hierfür ist Soleras eigene Einrichtung, die Universität Turin. Fachbereiche, die Frauen als ordentliche Professorinnen einstellten, erhielten zusätzliche „punti organico“ (Personalpunkte, die darüber entscheiden, wie viele akademische Stellen ein Fachbereich im Universitätssystem einrichten darf). Dadurch hatten diese Fachbereiche in künftigen Auswahlrunden mehr Personalkapazitäten. Die Maßnahme verlief reibungsloser als erwartet.

Solera führt dies auf ein anhaltendes und breit gefächertes Engagement zurück. „Wir haben viele Samen an verschiedenen Orten gesät“, fügt sie hinzu. „Wer einen dauerhaften Strukturwandel herbeiführen möchte, kann nicht nur von der Spitze ausgehen.“

Im gesamten Konsortium haben Einrichtungen Fachbereichsdelegiertennetzwerke eingerichtet, um die interne Geschlechtergleichstellungsarbeit zu unterstützen. Es wurden Sitzungen in Fachbereichsräten und akademischen Senaten abgehalten, Workshops für Nachwuchswissenschaftlerinnen und Nachwuchswissenschaftler, und solche, die es noch werden wollen, durchgeführt und offene Diskussionsrunden über die Daten und ihre politischen Auswirkungen organisiert.

Unter Verwendung eines Überwachungs- und Bewertungsmodells, das von Knowledge and Innovation, einer Sozialforschungsorganisation in Rom, entwickelt wurde, kartierte das Team zudem, wie Widerstand gegen Geschlechtergleichstellungsmaßnahmen entsteht und warum Prozesse ins Stocken geraten oder nahtlos ablaufen. Diese Maßnahme erwies sich als eines der aufschlussreichsten Ergebnisse des Projekts.

Der institutionelle Wandel als Vermächtnis

Infolge des MINDtheGEPs-Projekts hat die Partnereinrichtung Universität Gdansk den EU-Preis für Geschlechtergleichstellung gewonnen, mit dem ihre Arbeit bei der Umsetzung eines GEP gewürdigt wird.

Über die Gleichstellungspläne hinaus hat MINDtheGEPs eine breite Palette von Ressourcen hervorgebracht: Kurzdarstellungen, Arbeitspapiere, vergleichende Analysen und ein demnächst erscheinendes Buch mit dem Titel „Gender Equality Plans in Research Institutions: A Comparative Perspective“. Das Buch kartiert die Geschlechtergleichstellungslandschaft in allen Partnerländern und -einrichtungen und zeigt, wie der politische Kontext die Herausforderungen und Chancen beeinflusst.

Der nachhaltigste Erfolg des Projekts könnte womöglich kultureller Natur sein. Es führte zu Reflexionsabläufen in Einrichtungen, die sich noch nie systematisch mit der Geschlechterfrage auseinandergesetzt hatten, und zum Aufbau von Netzwerken, die einen anderen Führungsstil überdauern können. Außerdem wurden wissenschaftliche Beweise gesammelt und kritische theoretische Rahmen geschaffen, die seit langem bestehenden Annahmen standhalten. Und zwar auf eine Art und Weise, die die Geschlechtergleichstellung zu einer organisatorischen Verantwortung erklärt und nicht nur zu einem leidenschaftlichen Projekt einiger weniger Personen.

In den Worten Soleras ist die wirkliche Errungenschaft nicht eine einzelne Politik, sondern eine andere Haltung: „Wir wollten eine Grundlage schaffen, die weiter gedeihen wird, eine Forschungskultur sowie institutionalisierte Ressourcen und Verfahren, die sich selbst tragen werden.“

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Einzelheiten zum Projekt

Kurztitel des Projekts
MINDtheGEPs
Projekt-Nr.
101006543
Projektkoordinator: Italien
Projektteilnehmer:
Irland
Italien
Niederlande
Polen
Serbien
Spanien
Schweden
Aufwand insgesamt
€ 2 936 022
EU-Beitrag
€ 2 936 022
Laufzeit
-

Siehe auch

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